Orgelbau ist jetzt anerkanntes UNESCO Kulturerbe

Nicht nur Bauwerke werden von der UNESCO als Kulturerbe anerkannt. Einmal im Jahr entscheidet die Organisation auch über besondere Traditionen, die im Interesse der Menschheit stehen sollen.

Momentan stehen schon 374 Traditionen aus der ganzen Welt in der Liste für das Kulturerbe. Dazu gehören Bräuche, Ausdrucksformen, Wissen, Darstellungen und Fertigkeiten, sowie die dazugehörigen Objekte, Instrumente, Artefakte und kulturellen Räume, die Gruppen, Gemeinschaften und auch Einzelpersonen als Teil ihres Kulturerbes ansehen.

Das letzte Jahr tagte das UNESCO Komitee auf der südkoreanischen Insel Jeju. Dabei wurde unter anderem auch die Tradition der neapolitanischen Pizzabäcker als Kulturerbe anerkannt. Auch Deutschland hat einen Antrag bei der UNESCO eingereicht, um den Orgelbau als Weltkulturerbe anerkennen zu lassen. In Deutschland sind noch über 50.000 Orgeln im Betrieb, die vielen Handwerkern die Arbeitsplätze sichern. Der Orgelbau beschäftigt immer noch 2800 Mitarbeiter, die in 400 handwerklichen Orgelbaubetrieben in ganz Deutschland verteilt arbeiten. Mehr als 10.000 ehrenamtliche Organisten bedienen diese Instrumente, insbesondere in Kirchen, und verfestigen die Tradition der Orgelmusik in der ganzen Bundesrepublik.

In dem Antrag der Bundesrepublik Deutschland wird die Pflege der Orgelkultur als einer der Pfeiler der transkulturellen Kulturform bezeichnet, die eine hohe Kunstfertigkeit benötigt, und in Deutschland eine wichtige Basis besitzt. Diese Kulturform auf lebendige Weise weiterzugeben, ist im Interesse des Kulturerbes der UNESCO. Auf der letzten Sitzung der UNESCO wurde der deutsche Orgelbau in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen.

Bei der Sitzung des Komitees wurden 23 Anträge auf Aufnahme bearbeitet, wobei sechs besondere Fertigkeiten als dringend erhaltungsbedürftig eingestuft worden. Dabei handelt es sich um die Pfeifsprache aus den Bergen im Nordosten der Türkei, die Verehrung der Heiligen Stätten der Normaden in der Mongolei, die Lieder der Llaneros aus Venezuela und Kolumbien und die Dikpoelo Musik aus Botswana. Außerdem wurde der Taskiwin aufgenommen, ein Kampfsporttanz aus Marokko und die traditionellen Poesie-Vorträge al-Azi aus den arabischen Emiraten.